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Beobachtung und Analyse von Veränderungen der medizinischen Versorgung

In verschiedenen Projekten analysiert IGES die Veränderungen, die sich durch demografische Verschiebungen oder auch den wissenschaftlichen Fortschritt auf dem Gebiet der medizinischen Versorgung ergeben.

Der medizinische Fortschritt, demographische Veränderungen, gesundheitspolitische Entwicklungen, veränderte Erwartungen und Werthaltungen der Bevölkerung und viele weitere Faktoren führen zu einem beständigen Wandel der Versorgungssituation und ihres Einflusses auf die gesundheitliche Situation der Bevölkerung. In diesem permanent ablaufenden "natürlichen Experiment" ist es meist sehr schwierig, die Richtung einer Entwicklung überhaupt sicher bestimmen zu können, und noch viel schwieriger, eine bestimmte Beobachtung auf bestimmte Ursachen zurückführen zu können.

Typisch ist beispielsweise die Frage, ob und in welchem Umfang Leistungen aus dem stationären in den ambulanten Sektor verlagert werden. In der gesundheitspolitischen Kontroverse wird einerseits die Auffassung vertreten, dass dies in erheblichem Umfang geschehe, andererseits gibt es auch die Auffassung, dass Leistungsverlagerungen in die umgekehrte Richtung vorherrschen, da das Honorierungssystem hierfür Anreize setze (begrenzte Budgets machen aufwändige Behandlungen unattraktiv).
 
Unter methodisch-wissenschaftlichen Gesichtspunkten ist es als sehr anspruchsvoll anzusehen, durch eine Studie mit experimentellem Charakter zu einer eindeutigen Beantwortung der Frage zu gelangen. Häufig ist die Forschung darauf angewiesen, mit vorhandenen Datenbeständen zu arbeiten, diese zueinander in Beziehung zu setzen und in einem zumeist retrospektiven Beobachtungsdesign zu analysieren. IGES verfügt nicht nur über die konzeptionellen wissenschaftlichen Grundlagen und die wahrscheinlich umfangreichsten Datenbestände der Gesundheitssystemforschung, sondern vor allem über die Erfahrung, mit der der adäquate Einsatz von Daten und Methoden für bestimmte Fragestellungen beurteilt werden kann.
Paradigmatische Projekte in diesem Bereich waren und sind:

  • "Verschiebungsprojekt": Es wurde festgestellt, dass Mitte der 90er Jahre auf Grund der Verkürzung der stationären Verweildauer sowie der Entstehung neuer ambulanter Therapiemöglichkeiten in den alten Bundesländern pro Jahr etwa eine Milliarde Mark zusätzlich im ambulanten Bereich für Arzneimittel ausgegeben wurden.
  • "Einfluss von Morbiditätsunterschieden auf den Arzneimittelverbrauch": Die Studie zeigte, dass vor allem in den neuen Bundesländern die Prävalenz an Herz-Kreislauf-Krankheiten sowie Diabetes mellitus deutlich über dem Durchschnitt des ganzen Landes liegt und dass sich dadurch der höhere Umsatz an Arzneimitteln in den entsprechenden Indikationsgebieten weitgehend erklären lässt.
  • "Veränderte Anforderungen an die ambulante Versorgung": Eine Analyse der Entwicklung der ärztlichen Leistungen bezogen auf die zu Grunde liegenden Diagnosen zeigte, dass in zahlreichen Facharztgruppen die Leistungen im Rahmen der Versorgung von chronischen Erkrankungen sowie in anderen gesundheitspolitisch erwünschten Feldern (z. B. Impfen) zunahmen. In Bezug auf chronische Erkrankungen wie z. B. Diabetes mellitus wurde festgestellt, dass die Orientierung der ärztliche Tätigkeit an Leitlinien zwar ansteigt, dass bei einzelnen Aspekten jedoch noch große Unterschiede zwischen den einzelnen Ärzten bestehen (z. B. bei der Durchführung des HbA1c-Tests).

 

 
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