Search  Print  Sitemap Kontakt   

Pressemitteilung
Den demographischen Wandel vom Mythos der Kostenexplosion befreien
Innovationen verbessern Gesundheit signifikant – Wachstumsorientierte Gesundheitspolitik gefordert

Berlin,  27.10.2005  [IGES]   Der demographische Wandel wird nicht zu der vielfach beschworenen Kostenexplosion im Gesundheitswesen führen. Prognosen, die Altern mit Kränkerwerden gleichsetzen, sind falsch. „Die gesundheitlichen Folgen des Älterwerdens sind gering und verursachen durchschnittlich einen Ausgabenzuwachs von gerade einmal 0,5 Prozent jährlich“, sagte Prof. Bertram Häussler, Direktor des IGES Institut für Gesundheits- und Sozialforschung zur Eröffnung des 3. „Kongress zum Fortschritt im Gesundheitswesen von morgen“.

Auch der vielfach beschworene medizinische Fortschritt als Kostentreiber in einer alternden Gesellschaft wird meist undifferenziert wahrgenommen. Neue Leistungen können Gesundheit und Wohlbefinden signifikant verbessern. Einige Innovationen werden zwar die Ausgaben erhöhen, andere tragen aber zur Senkung von Kosten bei. „Die Fortschrittsfalle in der Medizin sollte nicht weiter unser negatives Leitbild sein“, betonte Häussler.

Vielversprechenden innovativen Entwicklungen sollte der Weg in die Praxis nicht aus Angst vor Beitragssatzerhöhungen verschlossen werden. Häussler verwies zudem auf die ökonomische Wertschöpfung durch mehr Gesundheit. Studien in den USA zeigten, dass zwischen 1970 und 2000 zwar 35 Billionen Dollar für Gesundheit ausgegeben wurden, denen aber gesundheitliche Gewinne von rund 95 Billionen Dollar gegenüber standen. Auf einen ausgegebenen Dollar wurden drei Dollar erwirtschaftet.

„Das alles beherrschende Problem des deutschen Gesundheitswesens bleibt die Einnahmeschwäche“, sagte Häussler. Der Grund dafür sei vor allem die anhaltende Schwäche der Wirtschaft und nur zum Teil die Demographie. „Weil vom Gesund-heitswesen wichtige Impulse für das Wirtschaftswachstum ausgehen, sollte die Aufbringung von Einnahmen von der Entwicklung der Arbeitskosten unabhängig werden. Wir brauchen eine wachstumsorientierte Gesundheitspolitik“, sagte Häussler.

Als ein Beispiel für Innovationen, die zur Verbesserung der medizinischen Versorgung beitragen können, nennt Prof. Joachim L. Schultze vom Universitätsklinikum Köln Entwicklungen der so genannten prädiktiven Medizin. Diese haben durch die Entschlüsselung des Genoms einen enormen Schub erhalten. Dabei handelt es sich um molekular genomische Technologien, mit denen nicht nur individuelle Krankheitsrisiken erkannt werden, sondern vor allem auch Krankheitsverläufe sowie die Wirksamkeit von Therapien voraussagbar sind. „Die prädiktive Medizin wird dazuführen, dass die Vorsorge (Prävention) und Gesundheitsförderung immer wichtiger wird. Je mehr wir über die Risiken der Krankheitsentstehung wissen, je mehr können wir Vor-sorge und Gesundheitsförderung betreiben und Krankheiten vermeiden“, erläutert Schultze. Diese neuen diagnostischen Möglichkeiten betreffen vor allem Krebserkrankungen und neurologische Krankheiten.

Der diesjährige Kongress mit rund 350 Teilnehmern steht unter dem Motto „Innovationen gestalten den demographischen Wandel. Veranstalter sind neben IGES die Techniker Krankenkasse sowie der Bundesverband Medizintechnologie (BVMed). Die jährliche Veranstaltung will Vertreter aus Medizin, Versicherung, Verbänden und Politik zusammenbringen. Ziel ist es, eine Plattform für einen rationalen Dialog über die Zukunft des Gesundheitswesens zu bieten.

Pressekontakt:

IGES Institut für Gesundheits- und Sozialforschung

Sandra Jessel

Tel.: 030 – 23 08 09 27

Fax: 030 – 23 08 09 11

Email: je@iges.de

 
top